Als ich ca 5 Jahre alt war, ich ging noch nicht zur Schule, gingen meine Eltern mit mir und einigen Tanten und Kusinen in den Wiener Wurstelprater. Dort gab es eine kleine Galerie, die sich Pratergalerie nannte. Während meine Kusinen nebenan im Ringeslpiel fuhren, lief ich in die Pratergalerie. Es war ein ganz langes schmales Gebäude, und ich lief zwischen den Bildern und sah mir interessiert alles an. Ganz hinten im Raum hing auf der linken Wand ein Bild, und als ich es sah, war ich zutiefst innerlich berührt; es erschütterte meine kleine Kinderseele und es stieg eine Begeisterung und Freude in mir hoch, die mich vollkommen erfüllte und die mir gänzlich neu war. Das Bild war eine Kopie des berühmten „Der Mann mit dem Goldhelm“, der damals Rembrandt zugeschrieben wurde. Seit diesem Tag wollte ich Malerin werden und lernen, so zu malen wie Rembrandt. Zu ungefähr der gleichen Zeit nahmen mich meine Eltern manchmal mit ins Kino, wenn dieses jugendfrei war, und da sah ich eines Tages in der Wiener Wochenschau ein Interview mit dem Maler Ernst Fuchs. Ich sah Bilder von ihm und diese Farben und Feinheit seiner Malerei faszinierten mich zutiefst. Wenn mich dann jemand gefragt hat: „na, was willst du denn mal werden?“ habe ich immer gesagt: ich will malen wie Rembrandt und Fuchs! Doch das Leben spielte anders, ich musste einen herkömmlichen Beruf erlernen, obwohl die Lehrer auf meine Eltern einredeten, sie sollten mich doch Kunst studieren lassen da ich außergewöhnlich begabt sei. Doch meine Eltern waren dafür dass ich Kaufmann wurde, also erlernte ich den Beruf des Kaufmannes und heiratete. Doch in mir brannte die Sehnsucht und die Liebe zur Malerei weiter. Eines Tages bekam ich zufällig ein Prospekt in die Hand, wo ein Kurs in „Altmeistertechnik“ angeboten wurde. Ich war Feuer und Flamme und meine Eltern und Schwiegereltern erklärten sich bereit, auf die Kinder aufzupassen und ich durfte diesen Kurs besuchen. Ich malte von einem Kalenderblatt das Bild eines jungen Mannes von Antonella da Messina ab. Der Lehrer war überaus zufrieden mit meiner Arbeit und erklärte mir, jetzt könnte ich alles andere auch malen. Begeistert und beflügelt kam ich mit meinem allerersten Ölbild nach Hause, kaufte mir eine Staffelei und Farben und begann zu malen. Doch drei Tage später erklärte mir mein Mann, dass ich mit diesem Gestank sofort aufhören solle. Staffelei und Farben wanderten in den Keller. Als Alternative begann ich jedoch, Porzellanpuppen zu machen; irgendwo versuchte sich die Kreativität in mir einen Weg zu bahnen. Ich bekam zwei Kinder und musste meinen Beruf aufgeben, da meine Tochter schwer herzkrank zur Welt kam. Sie wurde dann im Alter von 3 Jahren am offenen Herzen operiert und war danach sehr lange pflegebedürftig. Mein Mann war immer seltener zu Hause. Als die Kinder 6 und 8 Jahre alt waren, wollten wir am Land Urlaub machen und ich fuhr mit den Kindern voraus weil mein Mann erst eine Woche danach nachkommen wollte. Doch er kam nicht. Ich fuhr in Angst und Panik nach Hause und als ich die Türe aufsperrte, waren all seine Sachen weg. Er hatte uns sang und klanglos verlassen. Wir wurden geschieden. Ich musste jetzt eine Arbeit ergreifen, doch die Kinder waren sehr anhänglich und die Tochter sehr kränklich. Ich hatte so nebenbei angefangen, Porzellanpuppen zu machen und um bei den Kindern bleiben zu können, machte ich mich selbständig, mietete ein Geschäftslokal und machte die „Wiener Puppenwerkstätte“ auf. Ich arbeitete Tag und Nacht, nahm mir die Arbeit mit nach Hause und während die Kinder schliefen, fertigte ich die Puppenteile an die ich tagsüber verkaufte. Für einen neuen Partner hatte ich keine Zeit. Ich arbeitete wie besessen, um den Kindern ein Zuhause zu bieten. Einmal im Jahr fuhr ich zu einem Weltpuppenkongress der jedes Jahr in einem anderen Land stattfand und erhielt 12 Weltmeistertitel für meine Reproduktionen antiker Puppen. Langsam wurden die Kinder erwachsen und 1998 tauschte ich dann meine große Wohnung gegen drei kleine, so hatte jeder seine eigene Wohnung und ich fühlte mich zum ersten Mal in meinem Leben frei. Ich fuhr noch im gleichen Jahr nach Zakynthos in Urlaub, da man dort auch als Single Anschluss fand, so wurde es mir im Reisebüro empfohlen. Und in diesem Jahr bekam ich wieder einen Pinsel in die Hand und Kontakte mit der Aquarellmalerei. Der Lehrer war begeistert von meinen raschen Fortschritten und wieder zu Hause, kaufte ich mir Aquarellfarben und begann zu malen. Doch jeden Morgen zwischen 4 und 6 Uhr früh sah ich Bilder vor meinem geistigen inneren Auge, doch waren die in altmeisterlicher Ölmaltechnik gemalt…. Ich besuchte ab 1999 die künstlerische Volkshochschule in Wien, malte erst nur Aquarell. Im Jahr 2000 bekam ich den Anne Goldenberg Kunstförderpreis und im Jahr 2002 löste ich mein Geschäft auf, um mich ganz der Malerei zu widmen. Ich besuchte sehr viele Basiskurse wie Anatomie, Farbenlehre, Perspektive, exaktes Zeichnen, Pastellmalerei, Aquarell und Gestaltungslehre. Der Ölmalkurs war leider immer schon belegt. Doch 2004 gelang es mir im Ölmalkurs einen Platz zu bekommen. Meine ersten Ölbilder entstanden. Eine Lehrerin von mir machte es möglich, dass ich zu Michael Fuchs auf einen Vorsprachetermin eingeladen wurde, da sie mich für sehr begabt hielt. Ich war total aufgeregt und meine Knie zitterten, als ich im Sommer 2005 auf der Schwelle der Villa von Michael Fuchs stand. Er musterte mich von Kopf bis Fuß und meinte, „na einen Kurs bei mir können Sie sich nicht leisten“. „Aber wenn sie schon mal hier sind, schaun sie sich doch alles an.“ Ich ging voller Ehrfurcht in das riesige Atelier und sah mir die Bilder genau an. So was wäre immer mein Traum gewesen; bei so einem Meister malen zu lernen. Ich bedankte mich danach und wollte mich verabschieden. Ich reichte Michael Fuchs die Hand und er sah meine schwarze Mappe in der anderen. Da sagte er: na wenn sie schon ihre Arbeiten mithaben, dann zeigen sie sie doch mal. Ich breitete meine Bilder auf dem großen Ateliertisch aus, während er nebenan im Zimmer was zu tun hatte. Als er rauskam und meine Bilder sah, war plötzlich alle Distanz und Unnahbarkeit weg und er nahm die Bilder in die Hand und war sehr begeistert. Er sagte: sie haben schon sehr viel Talent, da müssen wir schon was machen. Und von da an war ich seine Schülerin, schließlich organisierte ich für ihn Kurse und es waren mir immer unvergessliche Erlebnisse. Ich lerne so viel, Dinge, die mir noch kein Lehrer in der VHS gesagt hatte, den Unterschied zwischen Hobbymalerei und professioneller Malerei, auf was es ankommt und viele hilfreiche Tipps und grundlegend wichtige Dinge. Die Freundschaft besteht noch immer zwischen Michael und mir und er ist bis zum heutigen Tag mein Lehrer und Ratgeber geblieben. 2007 eröffnete ich mein eigenes Atelier in Wien und gebe dort auch selber Kurse in altmeisterlichen Maltechniken. Ich fühle mich zum ersten Mal in meinem Leben als „Ich selbst“. Vollkommen authentisch und angekommen.
Vor wenigen Wochen begegnete ich einem Mann und plötzlich sah ich mich wieder als kleines Kind in der Pratergalerie; denn genau er ist es den ich malen möchte, dessen Bild ich im Innersten trage und das 55 Jahre auf seine Umsetzung wartet. Ich habe ihn gefragt ob ich ihn malen darf....... Ich darf!
Liebe Grüße Margit
http://www.gieszer-art.com --------------------------------- Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, trägt sie an der falschen Stelle!
Dein Werdegang ist sehr interessant. Es ist schon sehr beachtlich, wie konsequent Du auf Dein Ziel losgesteuert bist, und wie man sieht, war das genau richtig! Danke für Deinen ausführlichen Bericht!
Das meiste wurde schon gesagt. Was ich noch hinzufügen möchte, ist Deine Offenheit, so spielt das Leben halt mal, nicht nur eitel Sonnenschein.... In jedem Forum gibt es, wie im Leben, sich „öffnende“ und „verschlossene“ Typen (wie überall gibt es auch hier welche, da erfährst Du nur, wenn überhaupt, auf Umwegen, „Ihren“ Vornamen). Die Offenen sind mir wesentlich lieber, aber es kann auch nicht jeder so offen über sich selbst reden warum auch immer. Ich hatte schon des Öfteren Probleme mit meinen losen Mundwerk, deshalb halt ich mich meistens etwas zurück.
Respekt vor Deiner Lebensleistung und natürlich vor Deiner Malkunst!
Man liest sich…
Grüße aus dem sonnigen Karlsbad Michael
Kunst???? Was hilft mir ein teurer Wein, wenn er mir nicht schmeckt?
Also ich mußte erstmal schlucken und irgendwie waren mir beim Lesen die Augen feucht geworden... Das ist schon ein sehr bewegender Lebensweg; das muß ich zugeben.
Aber andererseits zeigt er auch deine Konsequenz, deine Willensstärke, deine Kraft und dein Durchsetzungsvermögen. Margit, ich bin wirklich tief beeindruckt, doch ich gönne dir von ganzem Herzen deinen Erfolg, denn du hast so hart dafür gekämpft und wie du schon an anderer Stelle angeführt hast, so viele Entbehrungen hinnehmen müssen um dein Ziel zu erreichen.
Danke für diesen äußerst interessanten "Lebenslauf" und danke, daß du zu uns gekommen bist....
Beste Grüße Achim (Nicht Jeder der einen großen Pinsel hat ist auch ein Maler)
dein Lebensbericht hat mich sehr berührt und ich bin mir ganz sicher, dass du alles schaffen kannst was du dir vorgenommen hast. Du hast eine unglaubliche Kraft in dir.
liebe Grüße Helga
www.deesart.net lose your dreams and you will lose your mind
Zitat von AtschieAlso ich mußte erstmal schlucken und irgendwie waren mir beim Lesen die Augen feucht geworden... Das ist schon ein sehr bewegender Lebensweg; das muß ich zugeben. Aber andererseits zeigt er auch deine Konsequenz, deine Willensstärke, deine Kraft und dein Durchsetzungsvermögen. Margit, ich bin wirklich tief beeindruckt, doch ich gönne dir von ganzem Herzen deinen Erfolg, denn du hast so hart dafür gekämpft und wie du schon an anderer Stelle angeführt hast, so viele Entbehrungen hinnehmen müssen um dein Ziel zu erreichen. Danke für diesen äußerst interessanten "Lebenslauf" und danke, daß du zu uns gekommen bist....
So ungefähr ging es mir auch beim Lesen. Starke Frau muß ich schon sagen und sehr konsequent. Bewundernswert!!!
Hallo Magie, so hat jeder in seinem Leben sein Weg gemeistert und du schaffst es ja nun schon sehr gut, aus deine Opferrolle aus zusteigen, wie du auch selbst mal im Kritzelforum geschrieben hast. Respekt vor deinen Einsatz um, deine Ziele zu verfolgen.
Zitat
Vor wenigen Wochen begegnete ich einem Mann und plötzlich sah ich mich wieder als kleines Kind in der Pratergalerie; denn genau er ist es den ich malen möchte, dessen Bild ich im Innersten trage und das 55 Jahre auf seine Umsetzung wartet. Ich habe ihn gefragt ob ich ihn malen darf....... Ich darf!
Liebe Grüße Margit
Das klingt wie eine Liebeserklärung - viel Glück auf deinen weiteren Weg
so erging es mir auch mal bei einer Landschaft, wo ich vorher noch nie gewesen war. Ich fuhr im Alter von 9 Jahren mit meinen Eltern wie jedes Jahr aufs Land, und als wir durch die beiden Berge in das Tal einfuhren, erfüllte mich ein unglaublich starkes Gefühl der inneren Freude und ich hatte zutiefst im Inneren das Gefühl, nach Hause zu kommen. Ich war dort so glücklich und krafterfüllt, so etwas hatte ich nie im Leben an einem anderen Ort der Welt. Ich machte dann mal mit meinen Kindern dort Urlaub unter meinem neuen verheirateten Namen, und es waren ja inzwischen gut über 30 Jahre vergangen. Und als ich aus dem Auto stieg und die Bäurin aus dem Hause kam, breitete diese auf einmal die Arme aus und rief: Ja mei, des is jo die Margit! Ich habe in meinem Leben noch nie so eine herzliche Begrüßung erlebt, nach so langer Zeit. Seit dieser Zeit träume ich heimlich davon, dort mal hinzuziehen und ein Haus zu kaufen. Ich hatte auch schon zwei Häuser in Aussicht, leider waren sie vergeben als ich sie besichtigen wollte. Und meine Kinder wollten nie von Wien weg. Also blieb ich schließlich auch hier. Ich habe dann noch einige Male dort meinen Sommerurlaub verbracht, und jedesmal tat der Abschied weh. Der Ort heisst Admont und ist in der Steiermark in Österreich.
Liebe Grüße Margit
http://www.gieszer-art.com --------------------------------- Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, trägt sie an der falschen Stelle!
Eine wirklich bewegende Lebensgeschichte... Ich kann allem Gesagten hier nur zustimmen und meinem Hut vor deiner Kraft und Willensstärke ziehen, liebe Margit. Schön, dass du deine künstlerische Bestimmung oder besser gesagt - sie dich gefunden hat!
Danke Achim, nun ja, ich bin ja auch sehr bescheiden und bemühe mich positiv zu denken!
Bleibt einem eh nichts anderes übrig als das Beste aus jeder Situation zu machen, sonst macht man sich nur selber unglücklich, und das bringt auch keinem was!
Carpe diem!
Liebe Grüße Margit
http://www.gieszer-art.com --------------------------------- Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, trägt sie an der falschen Stelle!
Bleibt einem eh nichts anderes übrig als das Beste aus jeder Situation zu machen, sonst macht man sich nur selber unglücklich, und das bringt auch keinem was!
Liebe Margit das ist schon richtig, man hat kaum eine andere Möglichkeit als das Schicksal anzunehmen , aber trotzdem finde ich das auch eine große Charakterstärke,positives Denken und Lebenswillen dazu gehört dass hast du dir, deinen Kindern und deinen Mitmenschen ganz stark bewiesen ,
es gibt ein altes Sprichwort ..."hin fallenen darf man ...aber ausstehen mußt man selbst "
Vielen Dank, liebe Ute! Ich glaube die große Kunst ist, nicht in der Vergangenheit hängen zu bleiben, sondern im Jetzt das Beste aus gerade dieser Situation zu machen die das Heute bietet. So hat man die beste Chance, zugleich eine gute Basis für die Zukunft zu schaffen, die im Grunde, wenn sie da ist, ja auch nur das Jetzt ist. Ich wünschte das wäre mir auch in jüngeren Jahren schon klar gewesen. Aber besser jetzt als nie. Womit wir wieder im Jetzt sind. Ich genieße das derzeitige heutige Jetzt indem ich genüßlich meine Sachen für den Umzug packe, obwohl es viel Arbeit ist, kann ich auch dieser Tätigkeit etwas abgewinnen; ich freue mich an meinem Reichtum an Sachen und beschließe, etliches davon loszulassen. So darf wieder Neues in meinem Leben in Erscheinung treten. Liebe Grüße Margit
Auch ein Leitspruch von mir: "Was einem nicht umbringt, macht einen nur härter"
Liebe Grüße Margit
http://www.gieszer-art.com --------------------------------- Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, trägt sie an der falschen Stelle!
auch ich kenne Dich von den Kritzis und bin froh, dass ich Dich wieder gefunden habe. Denn ich finde, Du bist eine ganz besondere Künstlerin und ein besonderer Mensch. Ich war sehr berührt und musste die Tränen wegwischen, als ich Deinen sehr interessanten Bericht gelesen habe. Er liest sich, wie ein spannendes, interessantes Buch und ist überhaupt nicht langweilig.Im Gegenteil! Danke, dass Du uns daran teilhaben lässt, denn so zu schreiben will auch gelernt sein und nicht jeder kann dass, auch wenn einem die Worte im Kopf rumschwirren, ist es manchmal schwer, sie aufs Blatt zu bringen.
Liebe Santina, WOW, vielen dank für deine lieben Worte, da freue ich mich sehr darüber, da sehe ich dass es doch nicht ins Leere geht wenn ich manchmal ein bisschen sehr offen und sehr viel schreibe. Wenn das dann so gut angenommen wird, freut mich das dann natürlich umso mehr. Dein Avatar kommt mir sehr bekannt vor, der Name nicht. Schön dass du hier bist und wir uns hier wieder treffen. Ich freue mich sehr darüber! Liebe Grüße Margit
Liebe Grüße Margit
http://www.gieszer-art.com --------------------------------- Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, trägt sie an der falschen Stelle!